
Früher und auch heute ..
.. draußen vor den Toren.

„Adresse: 'Strahlenend' (am Stollenend), zwischen Wirtschaftsweg und Hochneukirchener Flieth in der Nähe der Landstraße.
Das gesamte 19. Jahrhundert war für die jüdische Gemeinde Wanlos von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Die Zahlen der Jüdinnen und Juden schwankten stark. Von 18 Juden im Jahr 1808 sank die Zahl im Jahr 1832 auf 11 und stieg bis 1859 auf 29 an, bevor sie mit 47 den Höchststand erreichte und bis 1895 bereits auf 32 herabsank. Im beginnenden 20. Jahrhundert sank die Zahl der jüdischen Bevölkerung kontinuierlich weiter. 1925 lebten noch neun Jüdinnen und Juden in dem Dorf, 1931 waren es nur noch drei, 1935 war nur noch eine Jüdin übrig, Paula Zander.
Paula Wiesenfelder wurde am 07.10.1891 als Tochter des Ehepaares Herzl Wiesenfelder und Dina Spier in Eiterfeld geboren. Sie heiratete Albert Zander, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Paula wurde am 22.04.1942 von Düsseldorf ins Ghetto Izbica deportiert, wo sie ermordet wurde.

1864 fand in der Gaststätte Lentholz, heute Gaststätte Wagner, ein großer Festakt mit Konzert und abendlichem Ball anlässlich der feierlichen Übergabe einer auf Pergament geschriebenen Thora Rolle an die jüdische Gemeinde statt.

Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Schwartz aus Köln. In dieser Zeit war die Wickrathberger jüdische Gemeinde mit 193 Mitgliedern, davon 84 aus Wickrathberg die größte im Kreis Grevenbroich.
Die Stolpersteine befinden sich an der Berger Dorfstraße Nr. 27 im Stadtteil Mönchengladbach - Wickrathberg. An gleicher Stelle ist auch eine Erinnerungsplatte in den Boden eingelassen, die an die Zerstörung der Synagoge in Wickrathberg erinnert.
Erinnerung: Hier wurden im September 2009 vier Steine für die Familie Albert Zander verlegt. Unter den dort Geehrten ist auch die bekannte Holocaust-Überlebende und Autorin Hilde Sherman (geborene Zander), die 1923 in Wanlo zur Welt kam und später in Wickrathberg lebte.
Hildegard Zander wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Wickrathberg bei Mönchengladbach auf. Ihre Familie war seit fast vier Jahrhunderten am Niederrhein ansässig. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erlebte sie bereits als Zehnjährige zunehmende Ausgrenzung und Verfolgung.
In Südamerika begann sie, ihre traumatischen Erlebnisse niederzuschreiben. 1982 veröffentlichte sie ihre Memoiren zunächst auf Spanisch. Die deutsche Fassung „Zwischen Tag und Dunkel, Mädchenjahre im Ghetto“ wurde zu einem wichtigen zeitgenössischen Zeugnis. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Israel, wo sie 2011 in Jerusalem verstarb.
Ich lebte während des Krieges auf einem Bauernhof in Schiefbahn. Im Sommer 1945 stand bei unserem Nachbarn ein kleinwüchsiger Mann in amerikanischer Ausgehuniform. Wir standen etwas entfernt, ich fragte meine Mutter, wer ist das, die Antwort, das ist das Jude Fritzke. Damals war ich mit der Antwort zufrieden.
Es handelte sich um Fritz Kaufmann, der mit Werner Rübsteck nach Schiefbahn zurückkehrte. Fritz Kaufmann erhielt sein Elternhaus zurück und lebte noch fünf Jahre in seinem Heimatort, danach wanderte er nach Amerika aus. Werner Rübsteck ging nach Palästina und kämpfte dort für einen freien Saat Israel.
Erst als ich in Rente ging, hat mich das Schicksal jüdischer Menschen in Deutschland interessiert.
Jetzt, da ich diesen Artikel schreibe, denke ich, wann hast du in deinem Leben mit einem jüdischen Mitmenschen gesprochen. Dann fiel mir ein, in unserem Betrieb druckten wir in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Zeitschrift „Leder und Schuh“. Da lernte ich den Chef und Verleger Otto Sternefeld aus Düsseldorf kennen. Ich habe selten einen so fröhlichen und lebensbejahenden Menschen kennengelernt.
Die in dieser Zeit zurückgekehrten Jüdinnen und Juden haben mit neuem Vertrauen auf eine sichere Zukunft in Deutschland gehofft und den Versprechungen geglaubt. Was so dahin gesagt ist: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, heißt aus meiner Sicht, man steht kurz vor der Aufgabe.
Die Situation für Jüdinnen und Juden in Deutschland hat sich massiv verschärft, insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

Auf den fürchterlichen Angriff der Hamas, folgt bis heute eine unverminderte Zerstörung des Gaza-Streifen und ihrer Bewohner. Bisher sind über 74.0000 Tausend Menschen getötet worden. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wenn man auf das Alte Testament schaut, nennt man die Vergeltung “Zahn auf Zahn“. Das ganze hat eine Dimension angenommen, die für viele Menschen, vor allem bei Palästinensern nicht zu ertragen sind.
Im Jetzt macht man keinen Unterschied mehr zwischen dem Staat Israel und den Juden in unserem Land, die deutsche Staatsbürger sind!
Die Folge, Jüdinnen und Juden können sich nicht offen zu ihrer Religion bekennen. Vielleicht habe ich Freunde und Bekannte, die Juden sind, aber ich weis es nicht. Was Deutschland nach dem Krieg beteuert hat, nie wieder, hat seine Wirkung verloren. Es ist zur Heuchelei geworden. Man muss leider feststellen, dass wir in Richtung der 1930er Jahre des vorigen Jahrhunderts steuern.
In einem kürzlich gesendeten Interview mit Charlotte Knobloch habe ich ihre Einstellung bewundert.
Das Frau Knobloch immer noch an Deutschland glaubt ist unglaublich!

