Fronleichnam

... ein irreführender Begriff. 

Wickrather Kirche mit Fronleichnams Altar

Aus dem Lateinischen kann man Fronleichnam nicht herleiten. Denn das Wort stammt aus dem Mittelhochdeutschen, einer Sprache, die zwischen 1050 und 1350 gesprochen wurde. Gemeint ist keineswegs ein "Froher Leichnam". "Vron" bedeutet "Herr" und "licham" heißt "lebendiger Leib".

Prozession

Die Prozession ist der Markenkern von Fronleichnam. Nach dem Gottesdienst zieht die Gemeinde singend und betend durch die Straßen, oft von einer Musikkapelle begleitet. Unter einem Baldachin, in früheren Zeiten, an den vier Ecken, nur von Männern getragen, trägt ein Priester die zum Leib Christ gewandelte Hostie in einer Monstranz vor sich her. Ursprünglich war die Prozession nicht Bestandteil dieses Festes; erst im späten Mittelalter kam dieser Brauch auf. Bei diesen Bittprozessionen wurden Felder, Wälder und später auch Dörfer gesegnet.

Eine Prozession der besonderen Art gibt es am Donnerstag (Fronleichnam) auf dem Rhein bei Köln zu sehen: Zur "Mülheimer Gottestracht" kreuzt eine ganze Flotte großer und kleiner Schiffe auf dem Fluss. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Prozessionen immer ausgedehnter und feierlicher. Nach der Reformation wurde die Fronleichnamsprozession im Wettstreit der Konfessionen zu einer demonstrativen Kundgebung des Katholizismus. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gilt sie als Zeichen für die Kirche als wanderndes Gottesvolk. 

Monstranz
Monstranz

heißt das oft vergoldete und kunstvoll verzierte Schaugefäß, in dem die gewandelte Hostie hinter einer dünnen Glasscheibe ausgestellt wird. Die Monstranz ist auf einen Fuß aufgesetzt. "Erfunden" wurde die Monstranz, um die Hostie bei den Fronleichnams-Prozessionen mitführen zu können. Der Name leitet sich vom lateinischen "monstrare" ab, zu Deutsch "zeigen". Die Monstranzen aus dem Spätmittelalter haben die Form eines Turms. Bis heute wird die aus dem Barock stammende Sonnen-Monstranz verwendet. Die Hostie wird in der Monstranz durch eine sichelförmige oder kreisrunde Klemme gehalten. Während der Fronleichnamsprozession trägt der Priester die Monstranz in seinen von einem speziellen Schultertuch verhüllten Händen, dem sogenannten Velum. Trotz der häufig reichen Verzierung der Monstranz ist das eigentlich wertvolle ihr Inhalt: der Leib Christi.
(Quelle: Katholisch.de / Foto: Wikipdia)

links: Fronleichnam Wickrath 1955 – Standort „De Hött“ - heute Häuser Beckrather Straße 1 bis 5 , rechts: 1959 heute Rasenfläche mit Skulptur Mädchen mit Taube
 (S/W Fotos Anton Kieven)

In diesen Jahren war es selbstverständlich, dass die Kommunionkinder geschlossen teilnahmen.

Segensaltäre

Die Orte für die Segensstationen – die sogenannten „Altäre“ – sind von Ort zu Ort verschieden. Man nutzt dabei Kapellen, ferner Flur- und Wegekreuze sowie Bildstöcke, um davor einen Altar aufzubauen und um eine Abstellmöglichkeit für die Monstranz zu schaffen. Mit Stoffen, Tüchern und Tischdecken wird der Altar repräsentativ gestaltet. Auf dem Altar stehen Blumen und Kerzen. Den Hintergrund und die weitere Ausgestaltung bilden Birken und Fahnen. Vor den Altären lagen früher meistens Blumenteppiche. Es war weit verbreitet, direkt vor dem Altar, dort wo der Priester das Evangelium liest und den Segen spendet, einen echten geknüpften Teppich auszulegen. (Wikipedia)
 
Schiefbahn - aus der Jugendzeit: Nach dem Krieg war Fronleichnam ein großes Ereignis, ein Fest, für das vorwiegend katholische Dorf Schiefbahn. Dort war fast jeder beteiligt. Mindestens drei Altarstationen wurden errichtet und geschmückt. Prämiert wurden die Altäre nicht, ab jeder wollte die beste Darstellung bieten. Das alle Schüler und Jugendlichen mitgingen, war selbstverständlich, aber auch die meisten Erwachsenen nahmen an der Prozession teil.

links: Am Abend vor Fronleichnam  rechts:Ein Blick aus luftiger Höhe vom Kirchturm
 
Als ich vor fast 60 Jahren nach Wickrath kam, direkt vis-a-vis der Antonius Pfarrkirche und dem Marktplatz, war es für meinen Schwiegervater, Anton Kieven, keine Frage, dass ich beim Altaraufbau mit von der Partie war. Teile des Altars hatte er in seiner Garage unter gebracht, der Rest befand sich im Keller der Pfarrkirche. Im Einsatz waren unter anderen sein Sohn, Adolf Kieven, Willi Eich und die Söhne Hans und Franz-Josef von Gärtnermeister Willi Souren. Hans Souren war für die Planung und Ausgestaltung des Blumenteppichs vor dem Altar zuständig. Der Teppich sollte in bunten Farben erstrahlen. Die Farben besorgte sich Hans Souren im Malergeschäft Peter Eich, Sägespäne wurden rechtzeitig beim Schreinermeister Gustav Schmitz geordert. Die Späne wurden nach Plan eingefärbt. Hiermit wurden die vorgezeichneten Ornamente des Teppichs belegt. Eine leichte Besprühung festigte die gesamte Gestaltung.

Segensaltar

Diese prächtigen Segens-Altäre mit den schön angelegten Blumenteppichen in ihrer christliche Darstellung, wurden in Wickrath ab Anfang der 60er Jahre angelegt. Das war vieler Hände Arbeit. Nach dem letzten Altar im Jahre1966, endete die Tradition. Heute findet Fronleichnam nur noch in kleiner Form ihren Ausdruck.

Farbfotos: Hans Souren

Leider wurde die Tradition immer mehr vernachlässigt. Man ist traurig, wenn man die Entwicklung in der katholischen Kirche betrachtet. Der Priestermangel ist so gravierend, dass in Wickrath nur alle 14 Tage eine Messe gefeiert wird. So viel bekannt, geht Pfarrer Michael Röring Ende diesen Jahres in den Ruhestand. Er muss gleich sechs Pfarren betrauen, einen Unding. Wie es danach weiter geht ist die große Frage. Es ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen!