
Herrlichkeit Wickrath
Wie lebt es in Herrlichkeit, aus heutiger Sicht ein irreführender Eindruck.
Wickrath erhielt die Bezeichnung „Herrlichkeit“ (historisch oft Reichsherrschaft), weil der Ort im späten 15. Jahrhundert durch Kaiser Friedrich III. aus der Lehenshoheit der Herzöge von Geldern herausgelöst und zu einem kleinen, direkt dem Kaiser unterstehenden Territorium des Heiligen Römischen Reiches erhoben wurde.

Kürzlich konnte der HuVV Wickrath diese Aquarellbild für einen kleinen Preis erwerben.
Das sieht sehr romantisch und friedlich aus, eine Idylle.
Aber wie sah das Leben Ende des 15. Jahrhunderts in den Dörfern wirklich aus?
Maximilian I., Herzog von Burgund verkaufte 1485 Wickrath an seinen Rat Ritter Heinrich II. von Hompesch als Dank für seine Unterstützung bei der Niederwerfung von Aufständen in den Burgundischen Niederlanden. Hompesch, löste Wickrath 1488 aus dem geldrischen Lehensherrschaft und ließ es durch Kaiser Friedrich III. zur Reichsherrschaft erklären. Das Erhebungsprivileg des Kaisers verlieh Wickrath Markt- und Stadtrechte. Die Herrschaft Wickrath unterstand damit unmittelbar dem Kaiser. Wickrath erhielt Stadtrecht. Heinrich von Hompesch und seine Frau Sophia stifteten 1490/1491 das Kreuzherrenkloster. Das Kloster bestand bis 1802.

Die Ehe der Hompeschs blieb kinderlos. Nach Heinrichs Tod erbten 1502 daher seine Stiefsöhne von Quadt die Begründer der Familie Quadt-Wykradt, die Reichsherrschaft Wickrath. Diese traten Mitte des 16. Jahrhunderts zum evangelischen Glauben über. Text Wikipedia und Karte Christian Sgrooten, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wickrathberger Kirche um 1892, Foto Wilhelm Kuhlen – Wickrather Basilika, Foto Archiv
Die kleine Barockkirche in Wickrathberg, erstmals 1220 erwähnt, wurde 1529 evangelisch. Das Kloster mit der romanischen Kirche in Wickrath blieb im Besitz der katholischen Kreuzherren.
15. Jahrhundert – Das Leben auf dem Land (Die bäuerliche Mehrheit)
Über 80 % der Bevölkerung lebten als Bauern, auch in der „Herrlichkeit“, zu der Zeit nur ein Dorf, trotz des Stadtrechtes. Fast alle waren Leibeigene des Grundherrn. Sie mussten hohe Abgaben zahlen, Fronarbeit leisten und durften ohne Zustimmung den Beruf nicht wechseln. Auch für die Heirat mussten sie um Erlaubnis fragen. Der Alltag war extrem hart, von früh morgens bis spät in den Abend wurde auf den Feldern gearbeitet. In dieser Zeit gab es oft Missernten und die Bevölkerung erlitt großen Hunger.
Die durchschnittliche Lebenserwartung war mit rund 30 bis 35 Jahren sehr niedrig. Vor allem lag das an der hohen Kindersterblichkeit. Im Erwachsenenalter wurde man zum Teil zwischen 50 und 60 Jahre alt. Krankheiten, und vor allem mangelnde Hygiene forderten viele Opfer, wobei besonders viele Frauen im Kindbett starben.
Kälteeinbrüche ("Kleine Eiszeit" genannt) und unberechenbare Wetter Perioden führten immer wieder zu großen Hungersnöten.
Die Gesellschaft war streng in Klerus, Adel und den Stand von Bauern und Handwerker aufgeteilt, jeder blieb für sich. Der christliche Glaube, aber auch Aberglaube bestimmten den Alltag und gaben Halt in einer Zeit von großer Unsicherheit.
Das 15. Jahrhundert war aber auch die Epoche des Humanismus, der beginnenden Renaissance und technischer Meisterleistungen, wie dem Buchdruck mit beweglichen Lettern um 1450 durch Johannes Gutenberg. Erstmals entstanden durch die Ergänzung des Reichsnamens "Deutscher Nation" gemeinsame kulturelle Identitäten.

Quelle „Planet Wissen (Bild: Gemeinfrei via Wikimedia Commons)
Der „Malerwinkel“, Schein und Wirklichkeit – Aquarell HuVV Wickrath, Foto unbenannt
Im Foto die Rückfront der Häuser an der Schaumburggasse. Im Schutze der Linden standen hier Schuppen und Viehställe. Beim Bombenangriff auf Wickrath, am 26. Februar 1945, wurde dieser Blickpunkt zerstört.



