Der letzte Hufschmied

Hubert Broicher
Hubert Broicher
Von 1898 bis 1978 Hufbeschlagschmiedemeister 
beim Rheinischen Landgestüt.

1950 – Hengstparade „110 Jahre Landgestüt Wickrath“

 

Schmalkopfnagel
Bis Anfang des 17. Jahrhunderts war der Schmalkopfnagel üblich. Der Schmalkopfnagel diente zum Festhalten des Eisens, zudem verschaffte er mit seinem spitzen Kopf soliden Halt auf den steinigen Wegen und bei Winter-Glätte. Aber im Flachland, wo immer mehr Naturwege durch Kiesbelag abgedeckt wurden, war das Gehen auf den Nagelköpfen eine Belastung für die Fußgelenke der Pferde.

Deshalb bedeutete der Einsatz des versenkten Breitkopfnagels eine echte Erleichterung. Das nun übliche Griffeisen verlieh dem Pferd einen besseren Stand. Fotos Wikipedia

Bis zu dieser Zeit beschlug der Besitzer oder der Stallknecht das Pferd. Nicht jeder war da geübt, die Verletzungsgefahr war groß. Die Hufeisen bezog man beim Dorfschmied oder auf dem Markt.

Schmied Max Ringelberg bei der Arbeit

Hier sieht man den Schmied Max Ringelberg am Amboss in seiner Schmiede auf der Odenkirchener Straße. Was er gerade bearbeitet ist nicht zu erkennen, es könnte z.B. ein Hufeisen sein. Der Betrachter des Bildes schaut auf einen Max Ringelberg der mit sichtlicher Freude seinem Beruf nachgeht. Foto unbenannt

Seit Beginn des 17. Jahrhundert wurde es allgemein üblich, diese Arbeit dem Schmied zu übertragen. Bis in die frühen 1970er Jahre war Hufschmied ein anerkannter Lehrberuf mit vierjähriger Ausbildungsdauer in Deutschland.

Schmiede Schloss Wickrath
Zuerst befand sich hier die Schmiede, später die Schreinerei, danach das Vogelmuseum. Foto W. Marx

Hubert Broicher war gelernter Schmiedemeister und hatte zuerst eine eigene Schmiede, Ecke Sandstraße/Schillingstaler Weg 1, in Wickrath. Von 1937 bis 1957 war Hubert Broicher Hufbeschlagschmiedemeister und Wagenschmied im Dienst des Rheinischen Landgestüt Wickrath. 1957 wurde das Landgestüt aufgelöst.

Das 1839 gegründete Landgestüt Wickrath bei Mönchengladbach war das einzige Landgestüt seiner Art, das fast ausschließlich auf die Kaltblutzucht ausgerichtet war. Es wurde zur Keimzelle der Rheinisch-Deutschen Kaltblutzucht, die insbesondere in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebte.

Der Tag begann schon sehr früh für die Gestütswärter, um sechs Uhr mussten sie die schweren Kaltblüter ausreiten. Jeder hatte zwei Pferde, die er bewegen musste. Wir sehen hier eine Abteilung auf dem Abreiteplatz an der Ewigkeit. In der Mitte des Bildes ist der Marstall zu sehen. Unvergesslich sind die jährlichen Hengstparaden des Wickrather Gestüts. Viele Gestüts-Mitarbeiter kamen aus Ostpreußen und fanden hier eine neue Heimat.

Morgenarbeit auf dem Reitplatz der „Ewigkeit“. Jeder Reiter führte noch ein zweites Pferd als Hanfpferd mit. Im Hintergrund ist der Marstall zu sehen, rechts davon ein Stück des langen Stalls. Rechts Auftakt zu 110-Jahrfeier.

1950 – Parade „110 Jahre Landgestüt Wickrath“
1950 – Parade „110 Jahre Landgestüt Wickrath“, die Zuschauer waren begeistert von den Vorführungen auf Film einer Hengstparade auf Schloss Wickrath, 9. August 1953

Die Hengstparaden im Wickrather Landgestüt waren sehr beliebt und fanden ein begeistertes Publikum. Die Schau hatte den Zweck den Pferdezüchtern einen Überblick über das aktuelle Zuchtgeschehen zu vermitteln und den Landbeschälerbestand attraktiv zu präsentieren, um so Anreize für Stutenbesitzer in der nächsten Decksaison zu geben. Die zum Teil mit einem hohen Schwierigkeitsgrad dargebotenen Vorführungen waren für die vielen Pferdeliebhaber aus Wickrath und Umgebung wie ein großes Fest.

Arbeitsrondell in der Schlossanlage in der Zeit als die Hengstvorführungen stattfanden
Die Luftbildaufnahme zeigt das Arbeitsrondell in der Schlossanlage in der Zeit als die Hengstvorführungen stattfanden.

Das Gestüt hatte viele Mitarbeiter. 50 Jahre nach Auflösung des Rheinischen Landesgestüts trafen sich am Samstag, dem 5. im Mai 2007, die Kinder der damaligen Gestüts-Angestellten. Etwa 50 Personen kamen aus vielen Gegenden Deutschlands, um an dem Treffen teilzunehmen. Die Gäste erlebten eine Reitvorführung durch das Rheinische Pferdestammbuch und eine Kaltblutpräsentation aus den Züchtungen von Heinz Bister und Friedhelm Tillmann. Initiator dieses Treffens waren unter anderem Johannes Broicher aus Waat und sein Bruder Hubert aus Wickrath, beides Söhne von Hubert Broicher Senior, der von 1937 bis 1957, zwei Jahrzehnte, die Arbeit des Hufbeschlagschmiedemeisters im Landgestüt Wickrath ausführte.

Links Hubert Broicher mit Sohn Johannes 1937. Er war nicht nur Hufschmied, denn die Pferde bekamen von ihm auch das Brandzeichen des Gestüts.

Johannes Broicher starb am 24. Januar 2026 im Alter von 91 Jahren. Johannes Broicher war Reiter, Ausbilder und Turnierrichter bis in die höchsten Klassen der Dressur und des Springreitens.

Rechts: Brandzeichen des Zuchtbuches und des Pferdestammbuches Wickrath nach 1917 aus „Das Landgestüt Wickrath“

Feuerwehr bei der Hengstparade und ein römischer Streitwagen, gebaut von Hubert Broicher Senior.
 
Wickrather Gestütswärter beim Furagieren auf dem Innenhof des Schlosses
Wickrather Gestütswärter beim Furagieren auf dem Innenhof des Schlosses. Nachdem die Franzosen 1794 Wickrath besetzt hatten und der Graf Quadt zu Wickrath geflüchtet war, richtete die französische Präfektur 1803 ein kaiserliches Hengstdepot ein, welches bis 1813 bestand. 1839 wurde dann von den Preußen das königliche Landgestüt von Engers nach Wickrath verlegt. In den Jahren 1912 bis 1914 erreiche das Gestüt mit 210 Hengsten die Höchstzahl.

Bild und Text aus „Wickrath in alten Ansichten“


2018 erschien das Buch „Das Landgestüt Wickrath“ von Dr. Annette Harbers
Fotos Archiv/Johannes Broicher