
Schloss Liedberg

Auf bewaldeter Höhe - Schloss Liedberg
Liedberg liegt auf der Nordseite des gleichnamigen Inselbergs. Diese weithin sichtbare Anhöhe ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und stellt das älteste Natur- und Kulturdenkmal des Rhein-Kreises Neuss dar. Die Quarzitkuppe entstand vor über einer Million Jahren und ist mit bis zu 84 m ü. NN eine der höchsten Erhebungen am linken Niederrhein in der Tiefebene der Niederrheinischen Bucht.

Postkarte mit freundlicher Genehmigung des Heimatverein Liedberg e.V.
Nach Erkenntnissen der Denkmalbehörde sind die Grundmauern des Schlosses Liedberg aus dem 11. Jahrhundert. Der Haupt- bzw. Mittelturm ist auf die Zeit um 1270 zu datieren. Er diente als Torturm und Bergfried und verfügt über ein 1,60 Meter starkes Mauerwerk.
Liedberg war im Mittelalter eine große Festung mit einem großen, umgebenen Festungsgraben ("schwarzer Graben"), der z. T. mit Wasser gefüllt war und der große Teile des heutigen Ortes Liedberg umfasste.
Als erster Besitzer von Liedberg ist Herimannus de Litheberche zwischen 1100 und 1110 urkundlich bezeugt. 1166 wird erstmals die Burg Liedberg (castrum Litheberch) der Edelherren von Liedberg erwähnt.
Nach dem Tode des Herimannus ging die Herrschaft (1160) durch dessen Tochter Elisabeth an den Edelherren Gerhard von Granderath über, kam 1241 durch Verpfändung an den Kurfürsten von Köln und darauf infolge der Besiegung des Letzteren durch den Grafen Wilhelm von Jülich, an dieses mächtige Geschlecht. Im Jahre 1273 erwarb König Rudolf von Habsburg die Herrschaft für 3000 Mark und überließ den Jülichern das Lehen. Als aber Graf Wilhelm im Jahre 1278 im Aachener Streite gefallen war, machte Kurfürst Siegfried von Westerburg seine Rechte geltend und erlangte die Rückgabe Liedbergs gegen Zahlung von 5000 Mark. So finden wir die Herrschaft seit dem Jahre 1307 in Verwaltung eines Kölner Amtmannes.
Zur Zeit der Franzosenherrschaft wurde das Amt Liedberg aufgehoben und dem Kanton Neersen zugeteilt. Die Burg kam in den Besitz des früheren Amtmannes Kopp und in das Eigentum der Familie von Fürstenberg. Das Schloss blieb dann bis ins 20. Jahrhundert im Besitz seiner Familie. Zur Burg gehörten der etwa 15 ha große Schlossberg und 75 ha Ländereien.

Durch den Reichtum an weißem Streusand und Sandstein warf der Berg in früheren Jahren für die Berechtigung des Sandgrabens und Steinbrechens die Summe von 7000 – 8000 Mark ab. Die in den Berg getriebenen Stollen sind längsten zusammengefallen. Texauszug aus „Unsere Heimat“ M.Gladbach 1926
Der Sandbauernhof im schönen Ortsteil Liedberg ist der offizielle Veranstaltungsort des Jazzcafe. Es handelt sich um eine ehemalige Fachwerkhofanlage, die von der Stadt Korschenbroich gekauft wurde und nun für Veranstaltungen genutzt wird.
Früher wurde hier Sand in einem Stollen abgebaut, deshalb der heutige Name.
Eine Pfadfindergruppe feierte am 21. Juni 1930 zuerst vor dem Stolleneingang die Sommersonnenwende. Danach kletterten sie in die alten Stollen (auch Felsenkeller), wo früher Quarzsand unterirdisch abgebaut wurde und übernachteten dort. In dieser Nacht kam es zu einem Felsrutsch und begrub drei Jugendliche. Alle anderen Pfadfinder konnten sich befreien und alarmierten die Feuerwehr. Heute erinnert eine Gedenkplatte vor dem Grubeneingang.
Beim einem Spaziergang über das Kopfsteinpflaster trifft man zwischen beeindruckenden Fachwerk-Bauten des 18. Jahrhunderts auf Kunst und Kultur, Obstanbau und Gastronomie. Mitten im Dorf liegt der Sandbauernhof, eine beliebte Begegnungsstätte für Konzerte oder Ausstellungen.
Der Mühlenturm, um 900 errichtet ist ein Rest einer anderen Befestigungsanlage, der ursprünglichen Burg Liedberg. Von der Burganlage ist heute nur der Mühlenturm erhalten, der Bergfried der früheren Burg. Die enge Gasse rechts führt direkt zum restaurierten Schloss Liedberg.

Nach der abgeschlossenen Sanierung besteht für Besucher die Möglichkeit, den Turm zu besteigen, um eine tolle Aussicht zu genießen. Die eingebauten Stahltreppen führen auf die Aussichtsplattform. Bei gutem Wetter kann man weit in die Ebene sehen.

Schloss Liedberg (Wikimedia Commons: MFSG, CC BY-SA 3.0 )
Das Schloss wurde während des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1944 von einer Bombe getroffen und zum Teil zerstört. Bis zum Jahr 1968 war das Bauwerk dem Verfall preisgegeben. Danach begannen erste Restaurierungsarbeiten. Nach einigen Besitzerwechseln erwarb im Jahr 2007 der Unternehmer Peter Overlack das Schloss, der seit 2008 Sanierungsarbeiten an der Anlage durchführen lässt, einschließlich einer Rekonstruktion der zerstörten Trakte.

Der Blick vom Mühlenturm zeigt das Schloss in beeindruckender Form. Man darf davon ausgehen, dass der restaurierte Gebäudekomplex den Gründungsbau in den Schatten stellt. Wenn man direkt vor dem Schloss steht gewinnt man einen Eindruck welche hervorragende Arbeit hier in fast 15 Jahren geleistet worden ist. Im Jahre 2023 wurden die Arbeiten abgeschlossen.
Architektur
Das Schloss selbst bedeckt die östliche Höhe des Liedbergs. Es ist von steinernen Umfassungsmauern umgeben.
Das Hochschloss, das aus mehreren Gebäuden besteht, richtet sich nach Westen aus und liegt wie ein Riegel vor dem Innenhof. Der mächtige Mittelturm aus dem 14. Jahrhundert ist aus Quadern aus Liedberger Sandstein gefertigt. Er besteht aus vier Stockwerken, wobei das vierte Stockwerk vorgekragt ist und auf einem Spitzbogenfries ruht. Der Turm wird von einer malerischen barocken Dachhaube abgeschlossen, die vermutlich aus dem Jahr 1673 stammt. Eine 6,40 m lange Durchfahrt führt durch den Turm in den inneren Schlosshof. Ursprünglich war dem Mittelturm noch ein zweigeschossiger Vorbau vorgesetzt, der Vorrichtungen für die Zugbrücke enthielt und 1896 abgebrochen wurde. (Architektur, Text Wikipedia)
Aktuelle Fotos Werner Marx





