Korbflechter ...

... ein Beruf der Fingerfertigkeit

Korbflechter in Mondorf 1920
Dieses Foto aus dem Jahre 1920 zeigt, dass das Korbflechter Handwerk in Mondorf auch stationär vertreten war. (Fotos aus Mondorf mit freundlicher Genehmigung von Roland Klinger)

Geschichte

In früherer Zeit waren viele Korbmacher zugleich auch Korbhausierer. Bis zu ihrer Verdrängung durch Produkte aus Draht und Kunststoff waren Rohr geflochtene Körbe ein ständig benötigter Gebrauchsgegenstand in der Landwirtschaft, im Handwerk und in den Haushalten. Das Korbflechten war eine klassische Noterwerbsweise. Die Bevölkerung bezog sie sie von migrierenden Korbmachern und Korbhausierern.

War ein Dorf abgelaufen und die Nachfrage erschöpft, wurde das nächste angelaufen. Das Rohmaterial fanden sie kostenlos in der Natur. Weiden bestandene Bach- und Flussläufe bildeten die klassische Material der Korbmacher, die die abgeschnittenen Korbweidenruten zunächst in Wasser einweichen mussten, um sie zu verarbeiten.

Einen Bezug zur Korbflechterei vermittelt uns der Besuch einer Korbflechter-Familie aus dem nahe liegenden Dorf Borschemich.

Wandernde Korbflechter in Wickrath im Jahre 1895.
Wickrath im Jahre 1895. Wandernde Korbflechter haben sich in der Hohlstraße, heute Broichhausenstraße, zur Mittagsrast nieder gelassen. Auf dem Karrenschild ist zu lesen, dass der Korbflechter Fritz Bong aus Borchemich, die Korbflechterei ausübt und den Handel betreiben darf. Er muss für die damaligen Verhältnisse ein wohlhabender Korbflechter gewesen sein, denn er hatte zwei Eselskarren. Foto W. Kuhlen

Borschemich hatte die Köhm als fließendes Gewässer. Nur bei starken Regenfällen und Schneeschmelze führte sie genügend Wasser und mündete in die Niers. Eigentlich schlechte Voraussetzungen für das Korbflechter Handwerk. Im nahe liegenden Finkenberger Bruch, zwischen Wickrathberg und Wanlo, fanden sie aber die Kopfweiden, um die Ruten abzuschneiden und sie zu wässern.

Kopfweiden

Vor einem Jahrhundert etwa, als Mondorf noch das kleine Korbmacher- und Fischerdorf war, standen am Ufer der Sieg und am Rhein genügend Weiden, die den Korbmachern das Material für ihre Arbeit lieferten. Die Weidenruten wurden im Winter geschnitten und im Frühjahr sortiert. Man rechnete mit 150 000 Gebund, die alljährlich in Mondorf verarbeitet wurden; die meisten Einwohner betrieben damals das Korbmacher-Handwerk.

Kiehre Pitter, 1971 ein hervorragender Korbflechter in seiner Zeit
Kluse Männ, 1970 auf  dem Weg die gefertigten Korbwaren zum Verkauf  anzubieten.

Mondorf: Kiehre Pitter, 1971 ein hervorragender Korbflechter in seiner Zeit und Kluse Männ, 1970 auf dem Weg die gefertigten Korbwaren zum Verkauf anzubieten. 

Korbmacherfamilie aus Mondorf,ca.  Ende des 19. Jahrhunderts
Dieses Foto, ebenfalls aus Mondorf dürfte aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen. Eine Armut die erschüttert, die Familien waren Kinderreich, die Jungen haben keine Schuhe und laufen barfuß.

Die Region an der unteren Rur 
bot durch den feuchten Boden ideale Wachstumsbedingungen für Korbweiden. In Hilfrath entwickelte sich die Korbflechterei vom 17. Jahrhundert an bis ins 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Nebenerwerb der Landbevölkerung, sodass das Handwerk dort einst fast in jeder Familie ausgeübt wurde. 
Korbmacher Museum Eingang

Wickrather Heimatkundler

freuen sich über die Fertigkeit des alten Korbmachers
Das Werkzeug eines Korbflechters sind die Baumschere, das Klopfeisen, Messer, Priem und die Zange.

Korbmacher bei der Arbeit ..
Die Weidenruten werden im Frühjahr oder besser im Herbst geschnitten und entweder samt der Rinde, aber zumeist geschält verwendet.

Das Schälen erfolgt in frischem Zustand. Zum Schälen bedient man sich der sog. Klemme, einer aus zwei elastischen Schenkeln bestehenden hölzernen oder eisernen Zange, durch welche die eingeklemmten Nuten hindurchgezogen werden, wobei die Rinde aufspringt und sich so leicht entfernen lässt. Danach werden die Ruten getrocknet, um ihre weiße Farbe nicht zu verlieren. Die Ruten können mehrere Jahre aufbewahrt und bearbeitet werde. Die Ruten erhalten die ursprüngliche Zähigkeit durch Einlegen ins Wasser zurück und können geflochten werden.

Für feinere Flechtarbeiten werden die Ruten gespalten und gehobelt. Zum Zerspalten der Ruten bedient man sich des Klöbers oder Reißers, ein kleines Holzstöckchen, das am oberen Ende mehrere keilförmige Schneiden besitzt, über die man die Rute hinwegzieht. Der Korbmacher Hobel besteht aus einem breiten Messer, das auf einem Holzklotz mit ebener Glas- oder Metallplatte stell-bar befestigt ist und schräg gegen die Platte steht. Das Arbeitsstück wird wiederholt abwärts, der Schneide entgegen, gezogen. Um auch eine gleichmäßige Breite zu erhalten, wird der sog. Schmaler angewendet, der in seiner einfachsten Gestalt aus zwei in einem Klotz vertikal befestigten Klingen besteht.

Das Flechten eines Korbes beginnt stets mit der Bildung des Bodens. Die Basis, die stärkeren Bodenstränge der Weiden werden gespreizt und es wird eine Kreuz hergestellt. Man beginnt den Boden so zu flechten, dass eine Wölbung entsteht, damit später Spannungen aufgenommen werden können.

Der Korbmacher benutzt flache Brettchen (Stöpsel) von der Gestalt des Bodens, die mittels einer Verlängerung gleichfalls auf dem erwähnten Gestell befestigt werden können und zur richtigen Bildung der Seitenwände dienen. Die fertigen Körbe werden, falls sie aus geschälten Ruten bestehen, gewaschen oder in einem Kasten, in welchem etwas Schwefel verbrannt wird, gebleicht. (Quelle: Brockhaus Konversationslexikon, 1894-96) 

 
Kollektion aus dem Korbmacher Museum Hilfrath, die zum Verkauf angeboten sind.