Holzweiler ...

... ein Dorf wie auf einer Insel gelegen

Braunkohlebagger

Ein Blick aus Richtung Keyenberg, als die Bagger dem Ort Holzweiler bedrohlich nahe kamen.

Nach einer Entscheidung der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung vom 28. März 2014 wird der Abbaubereich von Rheinbraun deutlich verkleinert; hierdurch bleibt Holzweiler erhalten. 

Diese Entscheidung kam rechtzeitig. Die Bevölkerung bekam Gewissheit, die Angst vor der Umsiedlung war gebannt.

Rheinische Braunkohlereviere
Rheinisches Braunkohlerevier
Thomas Römer/OpenStreetMap data, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Das Ende 2018 vom Rat der Stadt Erkelenz beschlossene  Dorfinnenentwicklungskonzept wurde unter reger Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet. Damit sollten die gewachsenen Strukturen und charakteristisch Eigenarten von Holzweiler langfristig zu erhalten bleiben. Seit 1972 bildet es einen Stadtteil von Erkelenz.

Zur Geschichte von Holzweiler

1816 wurde der Ort der Bürgermeisterei Immerath zugeschlagen, 1847 wurde Holzweiler Einzelgemeinde, verblieb aber in der Samtgemeinde Immerath. 1938 wurden die Bürgermeistereien Immerath und Keyenberg zu dem neuen Amt Holzweiler zusammengelegt.

1856 wurde die „Communal-Chaussee“ zwischen Erkelenz und Jackerath fertiggestellt
1891 Die Windmühle brennt ab und wird auf neuer Stelle bei Immerath erbaut.

Die Turmwindmühle stand weithin sichtbar zwischen  Immerath und Jackerath. 
Die Mühle war noch bis 1930 in Betrieb. 1954 kaufte die Gemeinde Immerath die Mühle. Im Oktober 2018 wurde  die Mühle, von RWE Power  abgerissen.

Anfang des Jahres 2020 wurde die Landstraße L277  abgerissen, 
Das Autobahnkreuz Jackerath konnte man auf dieser Strecke unkompliziert und schnell erreichen.

Kirche St. Cosmas und Damian

Die Kirche S. Cosmas und Damian im Mittelpunkt der Ortschaft Holzweiler. Die Bevölkerung  von Holzweiler ist mehrheitlich katholisch geprägt.

Zu dem Dorf gehören auch drei einzeln liegende denkmalgeschützte Höfe, der Roitzerhof, der Eggerather Hof und der Weyerhof. Die nordrhein-westfälische Landesregierung gab die Rettung der fünf Dörfer (Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath) am 4. Oktober 2022 bekannt. Erst danach waren diese Gutshöfe der Gemeinde Holzweiler sicher gerettet.                                                                                                                    
Holzweiler liegt in der fruchtbaren Erkelenzer Börde. Wertvoller Lössboden wurde für die Landwirtschaft erhalten.

Waldareal

Das kleine Waldareal wurde 2021 von RWE als Immissionsschutzwall und Grünzug entlang der Nordostseite von Holzweiler aufgeforstet, um das Dorf vor Lärm, Staub und Licht des Tagebaus zu schützen. Dieser bewaldete Schutzstreifen bleibt als Pufferzone erhalten.

Straße, Baum, In der Ferne Bagger

Die kurze Verbindung zwischen Keyenberg und Holzweiler hatte Jahrzehnte lang ihre Bedeutung.

Es klingt zynisch von geretteten Dörfern zu sprechen. Vor allem in Keyenberg  kämpft man für eine Wiederansiedlung, bisher ohne großen Erfolg.

Wenn man heute von Wickrath oder Wanlo auf kurzem Weg nach Holzweiler fahren will, fährt man durch die verlassenen Dörfer und schmale Feldwege über Kuckum nach Berverath auf einer asphaltierten Straße mit Ausweichboxen nach Holzweiler. Ein Weg, der vorwiegend von Anliegern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt wird. 

Fußfall
Scheune

Aus Berverath kommend führt die heutige Verbindung an einer Feldscheune vorbei bis zum Bildstock an der Zufahrt zum Eggerather Hof. Der Bildstock ist eine Station der Holzweiler Fußfälle.

Das Seilerdorf

Da in Holzweiler mehrere Seilereien existierten, hatten viele Einwohner dadurch ihr Einkommen. Der Ort war als Seilerdorf im Umkreis bekannt. Da im Umkreis des Dorfes keine Gewässer sind, waren viele traditionelle Handwerke der damaligen Zeit ausgeschlossen.

Der Seiler, die Reepe oder Reepschlägerei, nennt man Arbeitsstätte des Seilers. Es wird dafür viel Platz benötigt und liegt deshalb am Rande des Dorfes. Die erforderlich Bahn hat eine Mindestlänge von 30 Metern, aber kaum     1 Meter breit. Sie ist gegen Wind und Regen geschützt. Die Seilerwaren bestehen in Bindfäden, Schnüren, Seilen, Stricken und Tauen. Der Hanf eignet sich durch die große Länge und Festigkeit seiner Fasern vorzüglich für diesen Zweck. Flachs kommt bei feinen Bindfäden und Gurten zur Verwendung.

Seilerei

1949: Der in Oldenburg geborene Seilermeister  Heinrich Steinhoff wurde von Arthur Eden-Sillenstede in seiner Werkstatt in Varel gemalt.  (Foto: Andreas Grundei)

Die Versorgung der Holzweiler Bevölkerung ist nicht mehr wie in früheren Zeiten autonom. Man ist  vorwiegend nach Erkelenz orientiert und auf den eigenen Wochenmarkt.

Restarant "Haus zum krummen Ochsen"

Das Restaurant „Zum krummen Ochsen“ ist eine traditionsreiche Dorfkneipe und ein Familienbetrieb. Die Wirtschaft ist vor allem für bodenständige, gutbürgerliche Küche und ihre Rolle als beliebter sozialer Treffpunkt in der Region bekannt. Wie in anderen Orten in unserer Heimat ist das Kneipensterben nicht aufzuhalten. Da ist man froh, dass es noch ein Ort der Geselligkeit gibt.


Zuletzt eine gute Nachricht. Rheinische Post vom 11. Juli 2026. Christoph Dittrich hat zum 1. Juli  2026 die Arztpraxis von Stefan Ritter in Holzweiler übernommen.

Dokumentationszentrum Garzweiler

Das Zentrum dokumentiert Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieser sich stetig wandelnden Kulturlandschaft.

Ab 2025 entsteht mit dem Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler in Holzweiler ein neuer touristischer Anziehungspunkt im Rheinischen Revier. In unmittelbarer Nähe zum aktiven Braunkohletagebau gelegen, dokumentiert das Zentrum Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieser sich stetig wandelnden Kulturlandschaft. 

Farbfotos Werner Marx